Interview

Mag. Angelika Bachmayer: Wenn mentale Stärke zur inneren Haltung wird

Mentale Stärke entsteht selten in einem einzigen Moment – sie wächst aus Erfahrung, Selbstwahrnehmung und bewusster Entwicklung. Mag. Angelika Bachmayer begleitet Menschen dabei, genau diesen Weg zu gehen: weg von innerer Anspannung, hin zu mehr Stabilität, Klarheit und Selbstvertrauen.

Im Interview spricht sie darüber, warum Mentaltraining für sie weit mehr als eine Methode ist, wie mentale und körperliche Ebenen zusammenspielen und weshalb Nervosität kein Hindernis, sondern ein Schlüssel zu souveränem Auftreten sein kann.

Mag. Angelika Bachmayer im Interview

Mag. Angelika Bachmayer Interview

Wann haben Sie erkannt, dass Mentaltraining mehr als eine Methode und Ihre Berufung ist?

Der entscheidende Moment war kein einzelner Augenblick, sondern vielmehr ein Prozess, der sich über Jahre entwickelt hat.

Schon immer hat es mir große Freude bereitet, anderen Menschen zuzuhören, ihnen Impulse mitzugeben und zu erleben, wie sich Gespräche positiv auf ihr Wohlbefinden auswirken.

Zu sehen, dass es jemandem nach einem Austausch mit mir besser geht, hat mich stets tief erfüllt.

Nach der Geburt meiner Tochter und der damit verbunden beruflichen Auszeit wurde mir klar, dass ich diese Komponente unbedingt mehr vertiefen möchte. In dieser Phase reifte der Wunsch, meine Fähigkeit, anderen zuzuhören und sie zu begleiten nicht nur punktuell, sondern beruflich einzusetzen – und sie bewusst auf ihrem persönlichen Entwicklungsweg zu unterstützen.

Wie unterstützen Sie Menschen dabei, ein stabiles mentales Fundament für ihren Alltag aufzubauen?

In meiner Arbeit zeigt sich immer wieder, dass mentale Stabilität auf mehreren Ebenen entsteht. Je nach Persönlichkeit und Situation setzen wir unterschiedliche Schwerpunkte.

1. Bewusstheit & Selbstwahrnehmung

Mentaltraining hilft, Gedanken, Gefühle und innere Muster bewusst wahrzunehmen. Dadurch lernen wir, automatische Denkweisen zu erkennen (z. B. Selbstkritik, Sorgen) und zwischen äußeren Ereignissen und inneren Reaktionen zu unterscheiden, was wiederum innere Distanz und mehr Handlungsspielraum schafft.

2. Emotionale Stabilität & Stressregulation

Durch gezielte Techniken (Atemübungen, Visualisierung, Achtsamkeit) lernen wir, Stress frühzeitig zu erkennen und in weiterer Folge Emotionen zu regulieren, statt von ihnen überwältigt zu werden. Das fördert innere Ruhe und Ausgeglichenheit im Alltag.

3. Stärkung innerer Ressourcen

Mentaltraining aktiviert vorhandene Stärken wie Selbstvertrauen, innere Sicherheit und Lösungsorientierung. Wenn wir uns selbst als „wirksam“ und handlungsfähig erleben, kann das ein großer Boost für das Selbstvertrauen sein.

4. Konstruktiver Umgang mit Herausforderungen

Statt Probleme zu vermeiden oder zu dramatisieren, lernen wir, Herausforderungen als Aufgaben, bei denen wir etwas lernen und uns weiter entwickeln können, zu betrachten. Das erhöht die mentale Flexibilität und Resilienz.

5. Werte, Ziele & innere Ausrichtung

Mentaltraining unterstützt dabei, sich seine eigenen Werte bewusst zu machen, zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Außerdem lernen wir, realistische, sinnvolle Ziele zu formulieren und Entscheidungen bewusster zu treffen. Das schafft innere Stabilität und Orientierung – auch in unsicheren Zeiten.

In Summe ist es ein nachhaltiger Aufbauprozess für mentale Gesundheit, innere Balance und mehr Widerstandskraft im Alltag.

Wie erleben Sie das Zusammenspiel von mentaler und körperlicher Ebene in Ihrer Arbeit?

Beides ist eng miteinander verbunden.

Gedanken, Emotionen und innere Überzeugungen spiegeln sich unmittelbar im Körper wider – etwa in Form von Anspannung, Unruhe oder Erschöpfung. Umgekehrt hat auch der Körper einen starken Einfluss auf den Geist: Sobald sich der Körper entspannt, entsteht oft ganz automatisch mehr innere Ruhe und Klarheit.

Viele Klient:innen kommen in einem stark angespannten Zustand zu mir, sowohl mental als auch körperlich. In solchen Momenten ist es aus meiner Erfahrung wenig zielführend, sofort auf der gedanklichen Ebene anzusetzen.

Stattdessen beginne ich häufig mit kurzen, einfachen körperlichen Entspannungs- oder Atemübungen. Diese helfen dabei, das Nervensystem zu beruhigen und einen Zustand zu schaffen, in dem Reflexion, Offenheit und nachhaltige Veränderung überhaupt erst möglich werden.

Erst auf dieser Basis kann anschließend an den tieferliegenden Themen gearbeitet werden. Das bewusste Zusammenspiel von mentalem Training und körperlicher Wahrnehmung ermöglicht es, Veränderungen nicht nur zu verstehen, sondern sie auch zu fühlen und im Alltag zu verankern. Genau darin sehe ich einen zentralen Erfolgsfaktor meiner Arbeit.

Mag. Angelika Bachmayer: Wie aus Nervosität innere Ruhe und Präsenz entstehen

Mag. Angelika Bachmayer Dipl. Mentaltrainerin

Sie begleiten Menschen im Umgang mit Nervosität bei Präsentationen oder wichtigen Gesprächen. Wie unterstützen Sie sie dabei, innere Ruhe zu finden und selbstbewusst aufzutreten?

In meiner Arbeit unterstütze ich Menschen dabei, Nervosität nicht als Gegner zu betrachten, sondern als ein natürliches Signal des Körpers.

Gemeinsam arbeiten wir mit einer Kombination aus mentalen und körperlichen Übungen, die gezielt bei der Vorbereitung von Präsentationen, wichtigen Gesprächen, Meetings oder Prüfungen helfen. Ziel ist es, das Nervensystem zu beruhigen, den Fokus zu stärken und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten wiederherzustellen.

Besonders wirkungsvoll ist dabei, dass viele dieser Methoden bereits nach kurzer Zeit spürbare Veränderungen bewirken. Klient:innen erleben oft eine deutliche Erleichterung, obwohl sie teilweise über Jahre hinweg unter Auftrittsangst oder starker Nervosität gelitten haben.

Dieses Erleben ist für viele überraschend – nicht selten höre ich, dass sie kaum glauben können, wie „einfach“ und zugleich effektiv diese Ansätze sind.

Mit zunehmender Übung verändert sich nicht nur der Umgang mit Nervosität, sondern auch die innere Haltung: Anspannung weicht mehr Gelassenheit, Selbstzweifel wandeln sich in Selbstvertrauen.

Viele meiner Klient:innen berichten, dass sie nach einigen Auftritten nicht nur ruhiger und souveräner agieren, sondern sogar Freude und Spaß an Situationen entwickeln, die zuvor mit großer Angst verbunden waren. Genau diese nachhaltige Veränderung – vom Aushalten hin zum selbstbewussten Auftreten – macht für mich den Kern meiner Arbeit aus.

Welche mentalen Techniken oder Rituale nutzen Sie besonders häufig zur Vorbereitung auf herausfordernde Auftritte?

Ich arbeite mit einer Vielzahl mentaler Techniken, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen.

Techniken, die sich eigentlich immer bewähren, sind einerseits die Visualisierung eines gelungenen Auftritts – möglichst detailliert und unter Einbeziehung aller Sinne. So entsteht innerlich bereits vorab das Gefühl von Sicherheit und Erfolg.

Ergänzend dazu setze ich auf positiv formulierte Affirmationen, die im Vorfeld eingeübt und kurz vor dem Auftritt bewusst wiederholt werden. Sätze wie „Ich freue mich darauf, meinem Publikum gleich von diesem spannenden Thema erzählen zu können“ helfen, den inneren Fokus von Anspannung hin zu Vorfreude zu lenken.

Ebenfalls häufig verwende ich in der Vorbereitung Entspannungsmethoden wie z.B. eine kurze progressive Muskelentspannung, die vorab geübt und dann unmittelbar vor dem Auftritt durchgeführt wird. Sie unterstützt dabei, körperliche Anspannung abzubauen und ruhig sowie präsent in die Situation zu gehen.

Gab es eine Rückmeldung oder Erfolgsgeschichte, die für Sie zeigt, wie wirkungsvoll mentale Veränderungsarbeit sein kann?

Oft zeigt sich bereits im ersten gemeinsamen Gespräch eine spürbare Entlastung. Allein die Erkenntnis, dass man ab sofort selbst Einfluss darauf hat, wie man mit bestimmten Situationen umgeht – statt ihnen ausgeliefert zu sein – wirkt für viele wie ein regelrechter Energie-Boost.

Ein schönes Beispiel dafür war ein Klient, der seit langem unter starker Nervosität vor kurzen Ansprachen litt, die aber mehr und mehr zu seiner beruflichen Aufgabe gehörten.

Nach nur einer Session hatte er bereits das nötige Rüstzeug in der Hand, um sich beim nächsten Auftritt viel sicherer zu fühlen und mit einem völlig anderen Gefühl vor sein Publikum zu treten. Was blieb, war das beruhigende Wissen: Ich kann mit dieser Situation umgehen. Genau dieses Erleben ist oft der erste Baustein für nachhaltige mentale Stärke.

Über Mag. Angelika Bachmayer:

Ich bin 38 Jahre alt, glücklich verheiratet und Mama einer lebhaften bald 5-jährigen Tochter, die mir jeden Tag aufs Neue zeigt, wie fordernd und zugleich unglaublich erfüllend das Muttersein ist.

In unserer Freizeit zieht es uns am liebsten in die Natur, wo wir gemeinsam zur Ruhe kommen. Für meinen eigenen Ausgleich betreibe ich gerne Sport – sei es beim Yoga oder in einer kraftvollen Workout-Session.

Schon immer war ich ein feinfühliger Mensch, verbunden mit einer gesunden Portion Humor und Lebensfreude. Es erfüllt mich sehr, Menschen zu begleiten, sie zu ermutigen und dabei zu unterstützen, wieder in ihre innere Balance zu kommen – auf eine achtsame, alltagstaugliche und nachhaltige Weise.

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