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Wie ändern die neuen Regulierungen den österreichischen Online-Gaming-Markt?

Glücksspiel hat sich in den letzten Jahren stark verändert und mit diesen Änderungen geht jedes Land ganz unterschiedlich um. In Österreich herrscht derzeit ein Glücksspielmonopol und Online Casino Angebote gibt es nur von einem Anbieter. Im Moment wird aber stark darüber diskutiert, wie das Glücksspielangebot in Österreich zukünftig aussehen soll und wie es für die Spieler sicherer gestaltet werden kann.

Mit einer Reform möchte man den Markt transparenter gestalten und sich an die europäischen Standards anpassen. Worauf man sich in der Diskussion bisher fokussiert, welche Entscheidungen schon getroffen wurden und wie der Österreichische Online Gaming Markt in Zukunft aussehen könnte, besprechen wir in diesem Artikel.

Aktuelle Struktur des österreichischen Online-Gaming-Markts

Aktuelle Struktur des österreichischen Online-Gaming-Markts

Österreich ist im internationalen Vergleich dadurch aufgefallen, dass es auf ein staatliches Monopolmodell gesetzt hat. Das bedeutet, dass alle Angebote auf dem Online-Gaming Markt von einem Anbieter stammen.

In dem Glücksspielgesetz (GSpG) ist bisher festgelegt, dass jegliches Glücksspielangebot, das im Internet stattfinde, als „elektronische Lotterie“ gilt und nur über eine bestehende Lizenz betrieben werden darf. Vergeben wird die Lizenz für Online Casinos für Spieler in Österreich derzeit noch von der österreichischen Lotterien GmbH, einer der Lizenzinhaber ist zum Beispiel win2day, der Anbieter von Online-Casino-Angeboten in Österreich. An diesem Monopol gab es schon seit langer Zeit Kritik, da es in der Praxis nur schwer eingehalten werden kann und die meisten anderen Länder in Europa sich für ein offeneres System entschieden haben.

Der Grund, warum diese Diskussion gerade so stark geführt wird, ist aber nicht nur eine Unzufriedenheit mit dem aktuellen System. Vielmehr ist man zu einer Reform gezwungen, da das bestehende Monopol am 30. September 2027 auslaufen wird und daher eine Alternative hermuss.

Grundzüge der geplanten Regulierungsänderungen

Bisher ist noch keine Entscheidung in trockenen Tüchern, allerdings gibt es einen generellen Diskurs, in welche Richtung die Reform des Österreicher Glücksspielgesetzes gehen soll.

Einführung eines neuen Lizenzmodells

Eine der grundlegendsten Überlegungen ist, das Lizenzsystem zu erneuern. Anstatt einem Monopol wäre es so in Zukunft auch für private Anbieter möglich, eine offizielle Lizenz zu erlangen und so völlig legal Glücksspiel in Österreich anzubieten.

Es wäre der gleiche Schritt, den auch schon viele weitere europäische Staaten gegangen sind, auch zum Beispiel Deutschland hat es mit der Erneuerung des Glücksspielstaatsvertrags 2021 neuen Anbietern ermöglicht, eine Lizenz zu erhalten. Um solch eine Lizenz erwerben zu können, müssten die Anbieter bestimmte Kriterien erfüllen. Über die Einzelheiten wird gerade noch diskutiert, denn man plant, bereits Mitte 2026 einen neuen Regulierungsrahmen zu schaffen, also noch vor Ablauf der bisherigen Konzessionen. Allerdings ist Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) gegen die Öffnung und möchte das Glücksspielmonopol beibehalten.

Gründung einer unabhängigen Glücksspielbehörde

Damit eine Vergabe von Lizenzen an private Anbieter möglich wird, plant man auch eine unabhängige Glücksspielbehörde zu schaffen. Bisher lagen Glücksspielaufsicht, Lizenzvergabe und steuerliche Aspekte zum Teil im Zuständigkeitsbereich des österreichischen Finanzministeriums. Da die Casinos Austria AG allerdings zu 33,3-Prozent dem Staat gehört, bestand dadurch ein Interessenskonflikt, der oft kritisiert wurde. Daher möchte man die Kontrolle und Durchsetzung des neuen Glücksspielgesetzes in die Hände einer unabhängigen Behörde geben, die klare Spielregeln erstellt, überwacht und durchsetzt.

Stärkere Durchsetzung gegen illegale Anbieter

Das größte Problem stellt der unregulierte Markt dar. Internationale Anbieter ohne österreichische Lizenz bedienen einen wachsenden Teil der Nachfrage und entziehen dem Staat dadurch potentielle Steuereinnahmen. Besonders bei völlig unregulierten Anbietern kommt dazu noch ein erhöhtes Suchtpotential und die Gefahr von Betrug. Um zu verhindern, dass österreichische Spieler bei Anbietern aus dem Ausland spielen, plant man verschiedene Maßnahmen. Dazu gehören IP-Blocking, das den Zugriff auf diese Seiten verhindern soll und Zahlungsblockaden, damit kein Geld an die Anbieter überwiesen werden kann. So möchte man versuchen, die Attraktivität und Verfügbarkeit nicht lizenzierter Plattformen zu reduzieren. Wie erfolgreich diese Strategie ist, wird sich aber erst in Zukunft zeigen.

Stärkerer Spielerschutz

Das höchste Ziel ist es Glücksspiel sicherer zu machen, daher wird es auch einige neue und strengere Spielerschutzmaßnahmen geben. Ähnlich wie in Deutschland, soll eine Sperrdatei erstellt werden, über die Spieler Anbieter und Kategorie übergreifend vom Glücksspiel ausgeschlossen werden können. Zusätzlich wird über ein Einzahlungslimit diskutiert. Spieler unter 26. Jahren hätten dabei ein wöchentliches Limit von 250 €, bei älteren Spielern sollen nur bis zu 1680 € Einzahlung pro Monat möglich sein. Auch bei der Werbung, insbesondere von ausländischen Anbietern, könnte es strengere Regeln geben.

Auswirkungen auf Spieler und Verbraucherrechte

Auch wenn sich einige vielleicht vor strengen Einschränkungen ähnlich, denen in Deutschland, fürchten, könnte eine Reform durchaus einige positive Aspekte für die Spieler mitbringen:

  • Erhöhter Verbraucherschutz: Lizenzierte Anbieter müssen strikte Vorgaben zum Spielerschutz, Anti-Geldwäsche-Maßnahmen (AML) und der Identitätsprüfung (KYC) erfüllen. So entsteht ein sicheres Spielumfeld.
  • Verantwortungsvolles Spielen: Tools wie Einzahlungslimits, Selbstausschluss und Warnmechanismen sollen verpflichtend eingeführt und überwacht werden, was Spielern hilft, in einem gesunden Maße zu spielen.
  • Transparentere Angebote: Lizenzierte Plattformen müssen klare Bonusbedingungen, faire Vertragsmodelle und verantwortungsvollere Werbung bieten, insbesondere gegenüber gefährdeten Gruppen

Diese Maßnahmen tragen dazu bei, die Risiken des Online-Glücksspiels zu reduzieren und illegale Angebote, die teilweise keinerlei Schutzmechanismen implementieren, unattraktiver zu machen. Zudem könnte eine Reform dafür sorgen, dass für die Spieler mehr Klarheit herrscht.

Chancen und Risiken der Regulierungsänderungen

Chancen und Risiken der Regulierungsänderungen

Wie sich die Situation in Österreich genau entwickelt, bleibt weiterhin unklar, allerdings könnte eine Reform neue Chancen mit sich bringen. Entscheidet man sich dazu, das Monopol aufzulösen und den Markt zu öffnen, könnten sich daraus ein breiteres Angebot und mehr Innovation ergeben. Klare rechtliche Rahmenbedingungen könnten außerdem für mehr Vertrauen bei den Spielern und eine höhere Rechtssicherheit für Anbieter sorgen. Auch steuerlich kann ein gut regulierter Glücksspielmarkt höhere Einnahmen generieren.

Bis allerdings alle Neuerungen beschlossen sind, herrscht weiterhin Unsicherheit für Investoren, Betreiber und auch die Spieler selbst. Der Plan, eine komplett neue Regulierungsbehörde einzurichten, beansprucht einiges an Zeit und es muss neues Personal dafür gefunden werden. Auch die Auflösung des Monopols bleibt weiterhin ein Diskussionspunkt und selbst wenn man sich dafür entscheidet, könnten politische Kompromisse dafür sorgen, dass Änderungen nur langsam geschehen.

Fazit

Es bleibt abzuwarten, welche Entscheidungen sich in der internen Diskussion durchsetzen und wie genau sie dann umgesetzt werden. Man hat die Möglichkeit, viele bekannte Probleme zu adressieren und einen klareren Rahmen für Glücksspiel in Österreich zu schaffen. Probleme wie mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, rechtliche Unsicherheiten und unzureichenden Verbraucherschutz könnten beseitigt und eine moderne, transparente und EU-konforme Regulierung geschaffen werden. Bis es eine Entscheidung gibt, kann man einfach noch die schönsten Weihnachtsmärkte Österreich genießen.

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