Interview

Waltraud Köberl über ihre Arbeit mit Menschen als Wegbegleiterin

Waltraud Köberl begleitet Menschen mit großer Achtsamkeit und einem tiefen Verständnis für persönliche und zwischenmenschliche Prozesse. Ihre langjährige Erfahrung als Pädagogin, Elternbildnerin und psychosoziale Beraterin prägt ihren ganzheitlichen Blick auf die individuellen Lebensrealitäten ihrer Klientinnen und Klienten.

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Kommunikation, Beziehungsgestaltung und die Stärkung der eigenen Selbstwirksamkeit. Mit Feingefühl, Klarheit und einer lösungsorientierten Haltung schafft sie Räume für Entwicklung, Reflexion und Veränderung.

Interview mit Waltraud Köberl

Waltraud Köberl interview

Was war der Auslöser für Ihre Entscheidung, sich auf psychosoziale Beratung zu spezialisieren, und welche positiven Veränderungen haben Sie bei Ihren Klienten erlebt?

In meinem langjährig ausgeübten Grundberuf als Kindergartenpädagogin und seit über 15 Jahren auch als Elternbildnerin sind immer wieder Menschen mit unterschiedlichen Fragen vor allem in Bezug auf Familie, Erziehung, Kinder,…. auf mich zugekommen.

Ich merkte, wie groß die Nachfrage auf diesem Gebiet ist. So machte ich mich auf die Suche nach einer Ausbildung, mit welcher ich meinem ehrlichen Interesse an Menschen und deren Themen nachkommen kann. Das weite Feld der psychosozialen Beratung bietet den geeigneten Rahmen für diese Tätigkeit.

beraten-begleiten-lösungsorientiert

so lauten die Kernworte auf meiner Visitenkarte -sie widerspiegeln meine Beraterinnenhaltung recht gut!

Besonders der riesige Bereich der Kommunikation ist immer wieder Inhalt von Beratungen. Wenn Menschen bewusst wird, was bereits Paul Watzlawick mit „Man kann nicht nicht kommunizieren“ gemeint hat, ist der erste Schritt auf einem neuen Weg gemacht… Was hat es mit dem „Vier Ohren Modell“ von Friedemann Schulz von Thun auf sich? Welche Kommunikationsmuster verwende ich?

Antworten auf diesen Fragen lassen KlientInnen oft erkennen, dass sie selbstwirksam sind – meiner Meinung nach DER wichtigste Schritt in Richtung Veränderung. Menschen lernen dadurch sich und andere besser zu beobachten, schulen ihre Kommunikationsfähigkeit und merken in vielen Situationen eine positive Veränderung durch ihr verändertes Handeln bzw, ihre veränderte Haltung.

Supervision ist ein zentraler Bestandteil Ihrer Arbeit. Wie schaffen Sie es, Klienten in beruflichen Kontexten zu unterstützen und Veränderungsprozesse anzustoßen?

Der Grundansatz meiner Ausbildung zur psychosozialen Beraterin ist systemisch. Das heißt, der Mensch wird nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Kontext seiner sozialen Beziehungen, Rollen und Systeme, egal ob z.B. im Beruf, der Partnerschaft oder der Familie.

Gerne verwende ich die Metapher eines Mobiles zur Veranschaulichung. Ein System ist wie ein Mobile: Alle Teile hängen zusammen. Wenn du an einem Teil etwas änderst, bewegt sich das ganze Mobile – also das ganze System.

In der Supervision, also der Beratung im beruflichen Kontext, lässt sich dieses Wissen gut nutzen. Sobald sich im Denken, Handeln, der Einstellung und Haltung des Klienten etwas verändert, etwas in Bewegung kommt, „muss“ sich das gesamte System mit bewegen.

Egal ob im Rahmen einer Einzelsupervision bzw. einer Team-/oder Gruppensupervision nutze ich meinen bunt gefüllten Methodenkoffer dies zu veranschaulichen und begreifbar zu machen. Praxisnahe, gepaart mit vielen Aha-Momenten und einer Portion Spaß und Humor arbeite ich besonders gern.

Welche Themen sind für Sie in der Paarberatung besonders wichtig, und wie gehen Sie damit um, um nachhaltige Lösungen zu finden?

Meiner Meinung nach besonders wichtige Themen in der Arbeit mit Paaren sind: Kommunikation, Konfliktlösung, Nähe und Distanz, Rollen und Erwartungen, Sexualität sowie Zukunftspläne.

Der Großteil der Paare, die zu mir in die Beratung kommen, ist nicht nur Paar, sondern auch Eltern. Die Paarbeziehung ändert sich grundlegend mit der ersten Schwangerschaft bzw. dann der Geburt. Emotional, praktisch und partnerschaftlich können Herausforderungen auftreten.

Die neue Rollenverteilung, unterschiedliche Erwartungen, eventuelle Unsicherheiten, meistens weniger Zeit für Zweisamkeit, hormonelle Umstellungen sowie fehlende Intimität stellen viele Paare auf die Probe. Dazu kommen Schlafmangel mit der Konsequenz einer höheren Reizbarkeit sowie unterschiedliche Erziehungsansichten sowie veränderte finanzielle Bedingungen.

Oft bleibt kaum Zeit und Energie für Kommunikation mit dem Partner und der Teufelskreis geht weiter.

Weitere Situationen, die Paare fordern können sind z.B. das Absetzen der „rosaroten Brille“ nach einiger Zeit des Zusammenseins, das Selbstständig werden/ Ausziehen der Kinder, das eigene Älterwerden, der Pensionsantritt, Krankheit, sexuelle Veränderungen/Vorlieben, unerfüllter Kinderwunsch, das Altern der eigenen Eltern,…

Gleich vorweg: wenn Paare den Weg in eine Paarberatung finden, ist der erste, sehr wesentliche Schritt in Richtung Veränderung gemacht!

Das vorhandene Problem ernst nehmen, ansprechen, Tipps in Sachen Kommunikation anwenden lernen, Aufgaben möglicherweise (neu) verteilen, Ressourcensuche und Ideen kreieren, wie die „Paarzeit neu“ aussehen kann. Zeit für Selbstfürsorge und bewusste, kleine Auszeiten zu zweit, ein ehrliches Kompliment oder einfach „nur“ in den Arm genommen werden können erste wohltuende Schritte in Richtung Veränderung sein.

Paaren, die sich im Elternsein „verloren haben, gebe ich folgendes mit auf den Weg: „Holt euch Hilfe. Niemand muss alles allein schaffen. Eltern sein ist eine der größten Herausforderungen. Mit der richtigen Unterstützung ist es eine große Chance für Wachstum – als Mensch, als Paar, als Familie. Macht euch bewusst, was euch verbindet-jenseits vom Elternsein.

Nicht jeder Konflikt ist ein Trennungsgrund. Ein neutraler Blick von außen hilft, Muster zu erkennen und Lösungen zu finden. Wenngleich Paarberatung auch heißen kann, wie eine Trennung ohne Rosenkrieg, nämlich wertschätzend, respektvoll und im Grunde dankbar für die gemeinsame Zeit, funktionieren kann.

Waltraud Köberl – Wie Eltern durch Struktur und Vernetzung entlastet werden können

Waltraud Köberl Beratung

In Ihrer Arbeit mit Eltern ist Stressbewältigung ein wichtiger Aspekt. Wie integrieren Sie diese Themen und wie erleben Sie die Reaktionen der Eltern?

Viele Ideen, die ich in Bezug auf die Paarberatung bereits erwähnt habe, lassen sich für die Thematik der Stressbewältigung von Eltern anwenden. Familien brauchen oft Struktur, Rituale und Zeitmanagementideen. Allein, das Wissen, dass es vielen Eltern ähnlich geht, kann schon stressmindernd sein und den Druck, dem sich Eltern oft ausgesetzt fühlen, verringern.

Nicht alles muss perfekt sein, welche inneren Antreiber habe ich, die mir nicht dienen sondern hindern?

Eltern geben immer 100% im Rahmen ihrer Möglichkeiten – eine Haltung, die meiner persönlichen Wertehaltung entspricht, und vor allem in meiner Arbeit als Aufstellungsleiterin immer wieder spürbar wird. Wie immer die 100% im Moment aussehen….

Wie schon ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ – Sich mit den Eltern auf Ressourcensuche zu begeben, kann ein wesentlicher Teil der Beratung sein. Welches Netzwerk aus Menschen, Einrichtungen, Vereinen,… können wir als Familie nutzen? Eltern haben oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht alles alleine schaffen.

Wenn das schwindet, empfinden es Eltern und Kinder fast immer als Bereicherung das Elternhaus zum „Dorf“ zu vergrößern.

Wie unterstützen Sie Ihre Klienten in der Trauerbegleitung, und was macht diesen Bereich Ihrer Arbeit besonders herausfordernd oder erfüllend?

Trauerbegleitung ist ein Herzensthema von mir.

Neben dem Todesfall eines Menschen gibt es unzählige weitere Traueranlässe im Leben eines Menschen. Der Eintritt in den Kindergarten, der Verlust eines Haustieres, der Verlust der Gesundheit, der Pensionsantritt, das Flüggewerden der Kinder, eine Scheidung, ein unerfüllter Kinderwunsch oder die Trauer um das nicht gelebte Leben – all das sind einige Anlässe, die vielleicht erst beim genaueren Hinschauen Inhalt einer Trauerbegleitung sein können.

Nachdem das Spektrum von Trauer so immens groß ist und jeder Mensch in irgendeiner Form davon betroffen ist, finde ich es umso wichtiger, sich mit dem eigenen Trauerverhalten und Wegen durch die Trauer zu beschäftigen.

„Das Haus der Trauer“ und das „Kaleidoskop der Trauer“  – beides Methoden, in der Schritt für Schritt durch die Trauer gegangen wird, sind unverzichtbare Hilfsmittel, die ich in der Trauerbegleitung anwende. Besonders gerne nutze ich mein Wissen als ChrYstal ®Farbcoach, welches eine wertvolle Unterstützung für die KlientInnen sein kann. In der Arbeit mit kindlicher Trauer nutze ich mein breites Repertoire an Sach-/Bilderbüchern, die bei der Veranschaulichung unterschiedlicher Bereiche sehr hilfreich sein können.

Die Arbeit in der Trauerbegleitung kann herausfordernd sein, besonders wenn Kinder involviert sind, ein plötzlicher Tod, ein Suizid, eine Totgeburt oder sonst eine besonders herausfordernde Situation passiert ist.

Da sein, zuhören, geschehen lassen, ohne Bewertung, bedingungslos, ehrlich interessiert, mit Respekt und Wertschätzung dem trauernden Menschen Raum und Zeit geben gehören zu meiner Arbeit genauso dazu wie Wut, Zorn, Ärger, Ratlosigkeit, Fassungslosigkeit und unzählige offene Fragen gemeinsam aushalten, den Raum halten. – Jedes Mal spüre ich große Dankbarkeit über das mir entgegengebrachte Vertrauen, die Ehrlichkeit und das Einlassen auf den gemeinsamen Beratungsweg.  Es lässt mich erkennen:

Ich bin dankbar für das Leben, für alles, was war, für alles, was ist.

Gibt es einen besonderen Erfolg oder eine Erfahrung, die Ihnen besonders am Herzen liegt und die den positiven Einfluss Ihrer Arbeit zeigt?

Unmittelbares und vor allem sehr ehrliches Feedback bekomme ich in der Arbeit mit Kindern. Immer wieder suchen Eltern Hilfe und Begleitung von außen, wenn sich ihr Kind z.B. nichts zutraut, es unsicher wirkt. Eine „Ressourcenschatzkiste“, die das Kind selbst gestaltet (und natürlich mit heimnehmen darf), ist oft schon ein Riesenschritt zur Veränderung. Gemeinsam überlegen wir, was das Kind gut kann/macht.

Im gemeinsamen Gespräch nehme auch ich innerhalb kurzer Zeit Stärken wahr, mit denen ich meinen Beitrag leiste. Eltern, Geschwister, Freunde, Nachbarn, Lehrer,…. Dürfen – sofern das Kind das möchte – ihre Ideen dazu liefern. So füllt sich die Schatzkiste mit vielen unterschiedlichen Stärken, die das Kind immer und immer wieder anschauen, lesen, sich vorlesen lassen kann. Über diese einfache, aber wirkungsvolle Methode bekomme ich immer wieder motivierende Rückmeldung. 

Über Waltraud Köberl:

Verheiratet, zwei erwachsene Kinder, bodenständig, authentisch, empathisch, kreativ, Hobbies: lesen, Natur, Musik,

29 Jahre als Kindergartenpädagogin tätig, seit 2020 in eigener Praxis in Reichraming, OÖ, seit 2023 ausschließlich in der Selbstständigkeit in eigener Praxis (Psychosoziale Beraterin, WKO Expertenpool in den Bereichen Aufstellungsleitung, Trauerbegleitung, Supervision, Paarberatung, Stress – & Burnout Prävention); Elternbildung.

Arbeit im Einzelsetting und mit Gruppen, immer wieder Dozentin in unterschiedlichen fachspezifischen Ausbildungen/Fortbildungen, Teambuilding, Supervisionsgruppen,

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