Interview

Den eigenen Weg gehen: Silvia Wagner inspirierende Reise zur psychosozialen Beratung

Manchmal braucht es Umwege, um auf den richtigen Pfad zu gelangen. Silvia Wagner erkannte erst nach vielen Jahren im kaufmännischen Bereich, dass ihre wahre Berufung woanders lag. Die Faszination für Psychologie, Beratung und Pädagogik führte sie schließlich zur psychosozialen Beratung und zum Coaching.

In diesem Interview spricht sie darüber, wie ihr eigener Weg sie geprägt hat, welche Ausbildungen sie absolvierte und wie sie heute Menschen unterstützt, ihre persönliche Klarheit zu finden.

Interview mit Silvia Wagner

silvia wagner interview

Welche Erfahrungen und Ausbildungen haben Sie dazu motiviert, sich auf psychosoziale Beratung und Coaching zu spezialisieren?

Manchmal braucht es Umwege, um auf den richtigen Weg zu kommen. Seit meiner Schulzeit faszinierten mich die unterschiedlichsten Themenbereiche. Meine ersten Berufswünsche waren – wie bei vielen Mädchen damals – Lehrerin oder Tierärztin.

Doch zur Freude meines Vaters entschied ich mich zunächst für eine „vernünftige“ Ausbildung im kaufmännischen Bereich. In Wahrheit hat er mir aber die anderen zwei Berufe nicht wirklich zugetraut und ich mir auch nicht.

Ich arbeitete dann auch insgesamt über 20 Jahre in diesem Bereich. Doch so richtig wohl fühlte ich mich dort nie.

Meine Neugier und Vielseitigkeit ließen mich immer weitersuchen. Anfang der 1990er Jahre machten sich mein Mann und ich mit einem kleinen Lebensmittelgeschäft selbständig. Da kam ich zum ersten Mal mit der Selbständigkeit in Berührung und es machte mir unheimlich Spaß.

Aus diversen wirtschaftlichen Gründen mussten wir es aber dann nach 6 Jahren schließen. Danach war ich wieder im Büro tätig, probierte aber verschiedenste Nebenjobs aus und tauchte in unterschiedliche Welten ein, um meinen vielfältigen Interessen Raum zu geben.

Doch am meisten faszinierten mich die Themen Beratung, Psychologie und Pädagogik. Ich spürte: Da gibt es etwas in mir, das in diese Richtung will.

Den ersten bewussten Schritt in diese Richtung unternahm ich vor etwa 10 Jahren – durch einen Wendepunkt in meinem Leben. Nach einer Massenkündigung in meiner damaligen Firma entschied ich mich für eine Ausbildung zur Berufs- und Sozialpädagogin.

Das war der Startschuss. Ein paar Jahre später folgte das nebenberufliche Studium der Bildungswissenschaften an der Fernuniversität Hagen, in welchem ich derzeit an der Bachelorarbeit schreibe. Mein damaliges Praktikum in der Erwachsenenbildung legte den Grundstein für meinen heutigen Berufsweg.

2017 begann ich schließlich als Bildungsberaterin bei der bbn – Bildungs- und Berufsberatung NÖ zu arbeiten. Doch mir wurde klar: Ich wollte mehr. Ich wollte nicht nur beraten, sondern Menschen wirklich auf ihrer persönlichen Reise begleiten.

Also absolvierte ich neben Studium und Job die Ausbildung zur psychosozialen Beraterin, vertiefte mein Wissen in Emotional Freedom Techniques (EFT), Kunsttherapie und systemischer Beratung und eröffnete im Mai 2023 neben meinem Angestelltenverhältnis meine eigene Psychosoziale Beratungspraxis.

Heute verbinde ich all diese Erfahrungen, um Menschen zu helfen, die – genau wie ich damals – spüren, dass sie „irgendwie anders“ sind und ihren ganz eigenen Weg finden wollen.

Denn was ich in all den Jahren gelernt habe, ist:

Manchmal führt uns das Leben erst über Umwege an genau den Ort, an den wir gehören. Und genau dort beginnt die wahre Magie.

Wie unterstützen Sie Ihre Klienten, die mit den Herausforderungen der Hochsensibilität oder beruflichen Neuorientierung konfrontiert sind?

Hochsensibilität und berufliche Veränderung – das ist oft eine explosive Mischung. Viele meiner Klient:innen spüren tief in sich, dass sie einen anderen Weg gehen wollen, aber sie fühlen sich überfordert von den Möglichkeiten, haben Angst vor falschen Entscheidungen oder fürchten, nicht „genug“ zu sein.

Mein Ansatz ist deshalb ganzheitlich und individuell. Es geht sehr viel um…

  • Bewusstseinsarbeit: Zuerst erkennen wir gemeinsam, welche einzigartigen Stärken und Talente in ihnen schlummern. Hochsensibilität ist keine Schwäche – sie ist eine Superkraft, wenn man weiß, wie man sie nutzt!
  • Klarheitsfindung: Ich arbeite mit Methoden aus der Persönlichkeits-psychologie, dem Zürcher Ressourcenmodell und der Career Construction Theory, um herauszufinden, welcher Berufsweg und welches Lebensmodell wirklich zu der jeweiligen Persönlichkeit passen.
  • Emotionsregulation: Mit Techniken wie ACT, EFT-Klopftechnik, therapeutischem Schreiben und kreativen Methoden unterstütze ich meine Klient:innen, Ängste und Blockaden abzubauen. Ein erster Schritt ist hier zu allererst die bedingungslose Akzeptanz von allem, was gerade da ist.
  • Umsetzung & Mindset: Mir ist sehr wichtig, dass meine Klient:innen am Ende auch ins Tun kommen – Schritt für Schritt. Nichts ist meiner Ansicht nach frustrierender, als nach einem guten Start, den Fokus und die Unterstützung zu verlieren. Ich bin für meine Klient:innen da und unterstütze sie auch nach meinen Programmen bei der Umsetzung ihrer Pläne. Frei nach dem Motto: Was brauchst du, um mutig den nächsten Schritt zu gehen?

Ich begleite meine Klient:innen nicht nur mit Beratung und Coaching in 1:1 Setting und in meine Programmen, sondern auch in Workshops und Seminaren, ich halte Vorträge und Keynotes und schreibe auch Artikel.

Auch in meinem Podcast „Frau Sensibelchen – Der Mutmacherpodcast für sensible Vielseitigkeit“ teile ich regelmäßig persönliche Geschichten und möchte meine hochsensiblen und vielbegabten Zuhörer:innen durch das Teilen meiner Learnings, Übungen und Impulse ermutigen, ihre Persönlichkeitsausprägungen als Stärken erkennen zu können.

Was sind die häufigsten Hindernisse, die Ihre Klienten überwinden müssen, um emotionale Balance zu finden, und wie gehen Sie damit um?

Ich sehe drei große Herausforderungen, die Hochsensible und Menschen in Veränderungsprozessen oft blockieren:

  1. Selbstzweifel & der Innere Kritiker: Viele denken: „Ich bin nicht gut genug.“ Oder: „Wer bin ich denn, dass ausgerechnet ich diesen Weg meistern könnte?“ Der innere Kritiker ist laut – besonders bei Hochsensiblen.

Mein Ansatz hier ist, dass wir sehr viel mit den unterschiedlichsten Techniken, wie z. B. der positiven Psychologie, Ressourcenarbeit, mit inneren Anteilen, dem inneren Kind, ACT, EFT-Klopfen und gezielten Mindset-Übungen arbeiten, um die Selbstsabotage zu stoppen.

Ein einfacher erster Schritt ist hier zu überprüfen, wie die Klient:innen in Gedanken selbst mit sich sprechen. Der innere Kritiker ist dabei oft sehr laut und wir gehen sehr hart mit uns ins Gericht. Hier ermuntere ich meine Klient:innen, sich vorzustellen, ihr innerer Kritiker wäre eine Person, die es gut mit ihnen meint und sie beschützen will.

Wir verwandeln ihn sozusagen in einen inneren Mentor, wie würde er dann mit ihnen sprechen? Auch die Perspektive zu wechseln: „Was würdest zu einer Freundin in dieser Situation sagen?“ ist oftmals sehr hilfreich.

  1. Perfektionismus & Entscheidungsangst: Hochsensible wägen oftmals lange ab bevor sie sich entscheidn, weil sie sehr viele Aspekte zur Entscheidungs-findung. Sie brauchen deshalb automatisch mehr Zeit für diesen Prozess und die wird ihnen im gesellschaftlichen Alltag oftmals nicht eingeräumt.
    Mein Ansatz: Ich vermittle sehr gerne die 80%-Regel: Gut genug ist besser als perfekt! „Was ist das Schlimmste, was dir passieren könnte, wenn du es gelassener angehen würdest?“. Und wir setzen auf Entscheidungsübungen, z. B. die Zukunfts-Ich-Perspektive, z. B. „Was würde dein 80-jähriges Ich über diese Entscheidung sagen?“
  2. Überforderung, fehlende Grenzen & People Pleasing: Hochsensible nehmen viel wahr, fühlen intensiv und weil ihnen das manchmal vorgeworfen wird, versuchen sie, sich an ihr Umfeld anzupassen. Dabei vergessen sie oft, sich selbst zu schützen. Besonders herausfordernd wird es, wenn das sog. People Pleasing – also das Bedürfnis, es allen recht zu machen – zu stark gelebt wird.

Hochsensible sind anfälliger für People Pleasing, weil sie Stimmungen und Emotionen anderer intensiver wahrnehmen und sofort spüren, wenn jemand unzufrieden oder enttäuscht ist.

Sie haben oft ein starkes Harmoniebedürfnis und möchten Konflikte vermeiden. Viele haben früh gelernt – besonders Frauen – dass sie „gut“ und „hilfsbereit“ sein müssen, um Anerkennung zu bekommen.

Das führt dazu, dass sie:
* „Ja“ sagen, obwohl sie eigentlich „Nein“ meinen.
* Sich selbst hintenanstellen, um anderen zu gefallen.
* Angst haben, andere zu enttäuschen oder abgelehnt zu werden.

Mein Ansatz hier ist es, meinen Klient:innen zu zeigen, wie man sich emotional besser abgrenzt, ohne Schuldgefühle zu haben und wie man lernt effektiv „Nein“ zu sagen.

Silvia Wagner: Eine inspirierende Erfolgsgeschichte aus der Praxis

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Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis teilen, bei dem jemand durch Ihre Unterstützung eine besonders bemerkenswerte Veränderung erfahren hat?

Ja, da fällt mir gleich ein sehr gutes Beispiel ein. Eines Tages kam eine Klientin zu mir, weil sie sich in ihrem Job vollkommen fehl am Platz fühlte. Sie war hochsensibel, vielseitig interessiert – aber gefangen in einer Umgebung, die sie ständig überforderte. Sie wollte sich beruflich verändern, hatte aber panische Angst, zu scheitern und sich vor den anderen zu blamieren.

Zuerst kümmerten wir uns um ihren Selbstwert. Wir arbeiteten gemeinsam ihre Kompetenzen, Stärken und Fähigkeiten aus und widmeten sich ihrer individuellen Persönlichkeitsausprägung.

Anschließend widmeten wir uns ihren Interessen. Was wollte sie WIRKLICH wirklich? Welche ihrer vielen Interessen könnte sie beruflich nutzen? Wir gingen in die Tiefe und schauten genau hin, was all diese Interessensgebiete im Kern gemeinsam hatten? Nachdem wir hier Klarheit geschaffen hatten, widmeten wir uns ihren Ängsten.

Mit der EFT-Klopftechnik lösten wir ihre Angst, „nicht gut genug“ zu sein. Anschließend suchten wir nach Möglichkeiten, wie sie all ihre Interessen und Begabungen beruflich und privat ausleben könnte und entwickelten ihr persönliches Lebensmodell und einen konkreten Umsetzungsplan.

Ich unterstützte sie dabei, dass sie Schritt für Schritt in die Umsetzung gehen konnte. Heute arbeitet sie Teilzeit in einem Beruf, der ihr grundsätzlich Freude macht und ihr Geld ins Haus bringt und nebenbei hat sie sich mit einem kreativen Business selbständig gemacht.

Die Selbständigkeit entwickelt sich sehr gut und sie überlegt sogar, ihr Business zum Hauptberuf zu machen. Außerdem weiß sie jetzt, wenn sie als Scannerpersönlichkeit eine neue Idee leben will, wie sie vorgehen kann, um das wieder in ihr Leben zu integrieren.

Das zeigt: Oft stehen wir uns nur selbst im Weg – aber mit der richtigen Unterstützung können wir endlich losgehen.

Wie integrieren Sie Techniken wie EFT (Emotional Freedom Techniques) in Ihre Arbeit und welchen Nutzen sehen Sie darin?

EFT ist für mich ein absoluter Gamechanger. Es ist eine sanfte, aber extrem wirkungsvolle Methode, um emotionale Blockaden, Ängste und Stressreaktionen zu lösen. Ich nutze EFT in meinen Coachings, wenn z. B. jemand unter Selbstzweifeln oder dem Impostor-Syndrom leidet, mit Ängsten vor Veränderung oder Versagen zu kämpfen hat und/oder wenn emotionale Belastungen aus der Vergangenheit das Vorankommen blockieren.

Aber auch in akuten Stresssituationen ist sie ein wunderbares Notfall-Tool. EFT funktioniert durch sanftes Klopfen bestimmter Akupressurpunkte, kombiniert mit der absoluten Akzeptanz und kann dadurch tiefsitzende Überzeugungen in kurzer Zeit transformieren und Blockaden lösen.

Viele meiner Klient:innen sagen dann: „Das fühlt sich an, als hätte ich einen emotionalen Reset-Knopf gedrückt!“

Welche Schritte sind aus Ihrer Sicht wichtig, um sowohl berufliche Klarheit als auch mehr Balance und Harmonie im Leben zu erreichen? Haben Sie hier einen Tipp für die Leser?

  1. Zuallererst ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, wer du wirklich bist und nicht, der du sein „solltest“! Du bist einzigartig auf dieser Welt und die Welt braucht dich! Finde heraus, was dich einzigartig macht und was deine Wünsche sind. Was willst du WIRKLICH wirklich? Was sind Deine Wünsche, die aus deinem tiefsten Inneren kommen und lerne sie von den Wünschen der anderen zu unterscheiden. Erlaube dir, deinen Gefühlen Raum zu geben und auf deine Intuition zu vertrauen.
  2. Mutig losgehen: Warte nicht auf den perfekten Moment – fang einfach an. Wenn du das Gefühl hast, irgendwie festzustecken und nicht weiterzukommen, aber tief in deinem Inneren schreit etwas nach Veränderung, dann hör drauf! Schau dich um nach Personen/Programmen oder Institutionen, die dich unterstützen. Such dir Vorbilder, die die Wege, die du gehen willst, schon mal gegangen sind und/oder die dir die notwendigen Informationen und Kontakte dafür bereitstellen können.
  3. Grenzen setzen & Selbstfürsorge leben: Du darfst JA zu dir und NEIN zu Überforderung sagen. Denn nur wenn es dir gut geht, geht es den anderen auch gut.

Mein Tipp für die Leser:innen:

Gib dir die Erlaubnis, deinen eigenen Weg zu gehen. Du bist nicht zu sensibel – du bist genau richtig, so wie du bist. Und die Gesellschaft und die Welt braucht Menschen wie dich.

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