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Novomatic expandiert und übernimmt die französische Vikings Casino Gruppe

Novomatic expandiert und übernimmt die französische Vikings Casino Gruppe

Die Novomatic im niederösterreichischen Gumpoldskirchen gehörte zu Österreichs größten und bekanntesten Konzernen. Doch ausgerechnet jetzt, wo die Neuausschreibung der Glücksspiellizenzen im Land näher rückt, setzt der Konzern seine strategische Neuausrichtung um und investiert im Ausland.

Einstieg in den französischen Live-Casino-Markt

Wie Novomatic vor ein paar Tagen bekannt gab, kauft das Unternehmen eine französische Casino-Gruppe. Damit möchte man seine Position am europäischen Markt weiter stärken und die internationale Expansion der Gruppe vorantreiben.

„Opfer der Begierde“ wurde die französische Casino-Gruppe Vikings. Damit möchte Novomatic seine Präsenz am französischen Markt stärken und sich in diesem Wachstumsmarkt deutlicher positionieren.

Mit dem Kaufvertrag steigt Novomatic in einen privaten, jedoch vom Staat stark reglementierten Markt ein. Der Käufer verweist darauf, dass die Vikings-Gruppe in Frankreich mehr als zehn Live Casinos betreibt, darunter auch an so prestigeträchtigen Standorten wie der Côte d’Azur. Der Kaufpreis ist nicht bekannt, offenbar wurde zwischen den beiden Partnern Stillschweigen vereinbart.

Strategische Neuausrichtung

Strategische Neuausrichtung

Mit diesem Deal setzt die Novomatic ihre mehrfach öffentlich angekündigte strategische Neuausrichtung auf internationale Märkte fort. Erst in jüngster Vergangenheit überraschte der Konzern mit der Meldung, sein Tochterunternehmen Admiral-Sportwetten zu verkaufen. Der Käufer ist der deutsche Sportwetten-Riese Tipico.

Damit scheint der Plan, sich aus dem heimischen Markt zurückzuziehen, vorerst abgeschlossen zu sein. Alles begann mit dem gescheiterten Versuch, den österreichischen Konkurrenten Casinos Austria zu übernehmen. Doch der vom damaligen Finanzminister Hans Jörg Schelling angekündigte Versuch, den staatlichen Anteil zu erhöhen, endete mit einem Bieterkrieg.

Der Novomatic gelang es nicht, die Unternehmensmehrheit zu erreichen, stattdessen trat mit der Sazka-Gruppe aus Tschechien plötzlich ein neuer Konkurrent auf den Plan. Dieser profitierte vom Streit um die Übernahme und vor allem von den zahlreichen politischen Skandalen rund um die Casinos Austria.

Rückzug kurz vor der Reform?

Der öffentliche Streit rund um das Thema Glücksspiel in Österreich vergällte der Novomatic endgültig die Lust, in ihrer Heimat aktiver tätig zu werden. Der Konzern zog sich aus dem Bieterkampf zurück und überließ der Sazka-Gruppe seinen Anteil an den Casinos Austria.

Diese ist der neue Dominator in Österreich und wird alles daransetzen, ihre Lizenzen auch über das Jahr 2027 vollinhaltlich zu verlängern. Derzeit schreibt das Österreichische Glücksspielgesetz insgesamt 12 landbasierte Casinolizenzen, wie für jenes in Baden, und eine Online-Lizenz für das Internet vor. Daneben bestünde die Möglichkeit, eine eigene Pokerlizenz zu vergeben. Bisher verzichtete die Republik Österreich jedoch darauf.

Doch angesichts der strengen Vorgaben des heimischen Vergabegesetzes hat das Finanzministerium bereits im Vorjahr mit den Vorbereitungsarbeiten für die Ausschreibung der Glücksspiellizenzen begonnen. Das Ministerium rechnete damals laut eigenen Aussagen selbst mit einer Vorlauffrist von bis zu 45 Monaten. Hier sind allerdings die Freisten für Einsprüche zur Vergabe und die Dauer mehrerer gerichtlicher Instanzen auf dem Klageweg einberechnet.

Doch wenn man bedenkt, dass die ersten Lizenzen im September 2027 auslaufen, dann wird klar, dass die Zeit nicht mehr reicht. Dies gilt hauptsächlich dann, wenn man auf die komplizierten Regierungsverhandlungen im Land blickt.

Keine Einigung in Sicht

Schon bisher scheiterte eine Reform des Österreichischen Glücksspielgesetzes an dem Regierungspartner der ÖVP, den Grünen. Eine Einigung scheiterte unter anderem an den Limits für Spielautomaten. Allerdings war in den Reformplänen auch eine Ausweitung der Online-Lizenzen vorgesehen.

So wollte die ÖVP offenbar die Zahl dieser Lizenzen erweitern, um so den Schwarzmarkt in Österreich zu bekämpfen. Gleichzeitig sollten dann jene Anbieter, die sich nicht um eine Lizenz bemühen, mit Hilfe von IP-Sperren vom österreichischen Markt ferngehalten werden.

Laut Untersuchungen kann der einzige offizielle Anbieter im Land lediglich ein Viertel des auf 410 Millionen Euro geschätzten Marktes auf sich vereinen. So kommt es zu der seltsamen Situation, dass zwar unzählige Online-Casinos mit Lizenzen aus anderen EU-Ländern in Österreich tätig sind, Steuern bezahlen, aber vom Staat als illegal betrachtet werden.

Für die Kunden ist es einfach, neue Betreiber auszuprobieren, schließlich erlaubt die Wahl des besten Online Casino Bonus Angebots zumeist das kostenlose Ausprobieren der Spiele. IP-Blockaden sind gesetzlich nicht vorgesehen. So ist es nicht überraschend, dass der Marktanteil ausländischer Online-Casinos in Österreich überproportional hoch ist.

Keine Regierung, keine Ausschreibung?

Keine Regierung, keine Ausschreibung?

Doch Österreich kämpft vorerst noch immer darum, eine neue Regierung zu bekommen. Nie zuvor in der Geschichte dauerte die Verhandlungen um die Bildung so lange wie diesmal. Bei Übernahme der Regierungsgeschäfte wird das Thema Glücksspiel jedenfalls nicht im Fokus stehen, das lässt die Zeit extrem knapp werden. Was passiert, wenn die Vorlaufzeit bis zum Ende der Gültigkeit ausreicht, ist derzeit völlig offen.

Die Novomatic will sich jedoch offenbar auf das in Österreich beliebte Spiel rund um den staatlichen Einfluss nicht mehr einlassen. Der Konzern, der aktuell weltweit 25.000 Mitarbeiter in 50 Ländern beschäftigt, hat größeres im Blickfeld.

Die Vergabe der österreichischen Casinolizenzen für prestigeträchtige Standorte, wie jenem in Baden, wird diesmal wohl ohne Teilnahme der Novomatic stattfinden. Das entbehrt nicht einem gewissen Maß an Ironie. Schließlich war es die Novomatic, die sich viele Jahre lange darum bemüht hat, den Markt in Österreich zu öffnen und vom dominanten Einfluss der teilstaatlichen Casinos Austria zu befreien.

Doch ein Blick auf die Webseite des Unternehmens zeigt, dass die Novomatic endgültig genug von den Diskussionen rund um ihr Geschäftsmodell hat. Dort betont der Konzern, dass er seine Produkte auf schließlich in regulierten Märkten mit klaren rechtlichen Rahmenbedingungen anbieten will.

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